Bioabfallbehandlung

Vergärung von Hühnertrockenkot in einer Biogasanlage

In der Biogasanlage kann ein Substrat aus über 70% Geflügeltrockenkot verwertet werden. Die Gärreste können für den Einsatz in der Landwirtschaft aufbereitet werden. 

 

Zusammenfassung

Ausgangssituation

Im Jahr 2005 entstanden bei der Firma WIMEX die ersten Ideen zur Änderung der Nutzung des im Unternehmen anfallenden Geflügelmistes. Der bei der Produktion von Geflügeleltern- bzw. Großelterntieren und deren Aufzucht entstehende Dung wurde bis dato in den eigenen landwirtschaftlichen Betrieben zur organischen Düngung verwendet oder benachbarten Betrieben zur Verfügung gestellt. Durch die in der Novellierung des erneuerbaren Energien Gesetzes (EEG) 2004 festgelegten, veränderten Rahmenbedingungen hinsichtlich der landwirtschaftlichen Biogasproduktion wurde der Weg für das Projekt „Biogasanlage Köthen“ bereitet.

Zielsetzung war es von Anfang an, möglichst viel Geflügelmist für die Produktion des Biogases einzusetzen und nur den nötigsten Teil durch nachwachsende Rohstoffe abzudecken, um nicht mit der unternehmenseigenen Futterproduktion in Konkurrenz zu treten. Bislang wurden in landwirtschaftlichen Biogasanlagen lediglich bis zu 30 % Geflügelmist eingesetzt und es gab kaum Erfahrungen mit höheren Anteilen. Somit mussten bei der Konzeption der Anlage viele bislang bewährte Techniken überdacht und neue verfahrenstechnische Lösungsansätze erarbeitet werden, um das ehrgeizige Ziel, anteilig bis zu 70 % Geflügelmist in einer Biogasanlage zu verarbeiten, umsetzen zu können.

 

Technische Lösung und Ergebnisse

Durch die zentrale Lage zwischen zahlreichen Geflügelanlagen und einem Großteil der landwirtschaftlichen Flächen der WIMEX-Gruppe, erwies sich der ehemalige Militärflugplatz in Köthen als idealer Standort. 

Die im Dezember 2007 in Betrieb genommene Biogasanlage zeichnet sich durch zahlreiche technische Innovationen aus. So wurde bei der Vergärung auf drei Anlagenstränge mit liegenden Fermentern und jeweils einem nachgeschaltetem Lagerbehälter mit Nachgärfunktion gesetzt. Alle drei Stränge werden zentral von einer Dosierstation mit Substraten beschickt. Am Ende des Prozesses werden die Gärreste in einer bislang im Biogasbereich einmaligen Anlage weiter aufbereitet um einen möglichst attraktiven Dünger für die Landwirtschaft zu gewinnen. So wird in insgesamt drei Schritten mittels Dekantern, einer Ultrafiltrationsanlage und einer Umkehrosmose das vergorene Material aufbereitet. Neben einem festen, stapelbaren Dünger und einem mit Nährstoffen angereicherten flüssigen Endprodukt entsteht frisches Wasser, das dem Biogasprozess zurückgeführt werden kann. Somit kann nicht nur ein wertvoller Dünger für die Landwirtschaft gewonnen werden, sondern auch die zu transportierende Menge an Gärresten deutlich reduziert werden.

Das erzeugte Biogas wird in drei Blockheizkraftwerken (BHKW) mit je einer Leistung von 716 kW elektrisch zur Produktion von Strom und Wärme eingesetzt. Um eine möglichst hohe, ganzjährige Verwertung der anfallenden Wärme zu gewährleisten wird das Biogas mit Hilfe eines Microgasnetzes zu den BHKWs transportiert, die sich an drei verschiedenen Standorten befinden. Dadurch können nicht nur die Betriebsgebäude der Biogasanlage beheizt werden, sonder auch zwei Geflügelfarmen, mehrere Büro- und Wohngebäude sowie eine Getreidetrocknungsanlage. Die in das öffentliche Netz eingespeiste Strommenge von rund 2,1 MW kann den Bedarf von ca. 4.500 Haushalten abdecken.

 

Schlussfolgerungen

Der eingeschlagene Weg, Hühnertrockenkot in hohen Prozentanteilen zu vergären, ist Erfolg versprechend und aus Umweltsicht sinnvoll. Durch die Biogasanlage Köthen wird gezeigt, dass durch die Verwertung von Wirtschaftsdüngern und den sinnvollen Einsatz von nachwachsenden Rohstoffen der Kreislauf der landwirtschaftlichen Produktion um ein Weiteres geschlossen werden kann.

Projektbeteiligte

Durchführende Institution

Gut Mennewitz GmbH

Kooperationspartner

Rückert NatUrgas GmbH

HAASE Energietechnik GmbH

Weitere Projektdaten

Projekttitel: „Biogasanlage Flugplatz Köthen“: Vergärung von Hühnertrockenkot

Projektnummer: 20116

Projektzeitraum: 2007 - 2009

Projektort: Deutschland (Sachsen-Anhalt)

Projektansprechpartner:

Frau Fischer

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Quelle: Fachbibliothek Umwelt des Umweltbundesamtes